Advaita Vedānta

ist eine alt-indische Lehre des Bewusstseins. Vor etwa 3000 bis 5000 Jahren haben weise Männer und Frauen in der Meditation Einsichten über die Natur der Realität und des Menschen gefunden. Diese Erkenntnisse haben sie in den vedischen Texten niedergeschrieben.

Advaita bedeutet Nicht Zwei. Vedānta ist das Ende des Wissen, der Schlussteil der Veden.

Viele Menschen in unserer Gesellschaft fühlen sich leider von sich selbst und ihrer Umgebung getrennt. Vedānta vermittelt eine besondere Art von Wissen, das Selbstwissen. Es erklärt, dass die Realität nicht-dualistisch ist und Du der Hauptdarsteller bist.

Dualität

Die Welt der Dualität ist die Welt der Gegensätze. Von Warm und Kalt, Schnell und Langsam, Ton und Stille, Liebe und Ignoranz, Ich und Du. Damit wir über unsere Sinne eine Erfahrung wahrnehmen können, benötigen wir diese Gegensätze: Wenn es keine Kälte geben würde, wüsstest Du nicht was Wärme wäre und umgekehrt.

Subjekt und Objekt

Das Subjekt bist Du.


Im Gegensatz dazu sind Objekte alle Dinge, welche Du wahrnehmen und in Kategorien und Teile einteilen kannst. Die Objekte deiner Erfahrung ändern sich laufend. Einmal bist Du hungrig und das nächste Mal satt. Einmal besitzt Du ein Auto und das nächste Mal ist es kaputt. Einmal denkst Du an das Mittagessen und das nächste Mal an deine Familie.

Lebensfreude

Die Meisten von uns wollen glücklich sein. Aber woher kommt die Lebensfreude wirklich?

Die Freude, welche wir uns aus Objekten holen ist kurzfristig: Sie kommt und geht. Zusätzlich ist die individuelle Objektfreude abhängig von unseren Vorlieben und Abneigungen. Das Objekt, welches mir Freude bereitet, bringt dem Nächsten vielleicht das genaue Gegenteil.

Wahre und anhaltende bedingungslose Liebe und Freude kommt aus deinem Inneren.

Ort der Erfahrung

Es ist wichtig verstehen zu lernen, wo wir die Objekte unserer Erfahrung erleben. In der üblichen westlichen Weltanschauung gibt es uns als Person mit einem Körper, welcher hinausschaut in eine von sich getrennten Welt.

Vedanta verneint dies nicht, geht aber einen Schritt weiter und sagt: Die Objekte unserer Wahrnehmung sind ein Bild in unserem Geist. Alles was Du siehst, spürst, riechst, schmeckst und hörst ist somit ein Bild in Dir, in deinem Geist. Und da Du nicht von deinem Geist getrennt bist, bist Du all dies.

Beispiel: Du schaust auf einen Berg weit entfernt von Dir. Wie groß ist der Abstand? Physikalisch ist der Berg vielleicht einige Kilometer entfernt. Aber in deiner direkten Erfahrung, in deinem Bewusstsein ist der Abstand ganz genau 0.

Das Selbst

In unserem Bewusstsein gibt es einen Teil, welches sich nicht verändern kann.

Advaita Vedānta, nennt diesen Teil, das Selbst, das wahre Ich. Es ist das Bewusstsein, welches alles im Hier und Jetzt wahrnimmt, aber von der Wahrnehmung nicht verändert werden kann.

Übung: Gehe am Abend in dein abgedunkeltes Bad. Du siehst nichts als die Dunkelheit. Wer oder was aber scheint auf die Dunkelheit und macht sie Dir somit bewusst?

Selbstwissen

Selbstwissen ist das Wissen über uns Selbst als Bewusstsein. Das Studium der eigenen Erfahrung führt Dich zum Selbstwissen. Und sobald Du dieses Wissen in deinem eigenen Leben umsetzt, erlebst Du die eigene Selbstverwirklichung: Die Unabhängigkeit der eigenen Lebensfreude von kommenden und gehenden Objekten.

Hüllen um das Bewusstsein

In unserem Bewusstsein gibt es einige Elemente, welche scheinbar das Selbst verstecken:

  • Dein physische Körper
  • Dein Energiekörper
  • Deine Gedanken
  • Deine Emotionen
Übung: Negiere, in deiner eigenen Erfahrung, alle sich veränderbaren Elemente deines Bewusstseins.
Die folgende Zeichnung veranschaulicht die Unterscheidung zwischen Selbst und Nicht-Selbst.

 

Eigenschaften des Selbst

Das Selbst ist das Subjekt, welches nicht zum Objekt gemacht wurde, wird und niemals werden kann.
Dadurch können wir einige Eigenschaften ableiten:

Es ist:
  • Vollkommen: Du kannst nicht zum Selbst hinzufügen oder entfernen, damit es besser oder schlechter wird.
  • Unbeweglich: Es bewegt sich nicht, auch wenn sich alles andere bewegt.
  • Unveränderlich: Nichts kann es verändern.
  • Unbekümmert: Es hat keine Sorgen.
  • Ohne Einschränkungen: Es kann niemals zum Objekt gemacht werden.
  • Liebe: Es ist reine bedingungslose Liebe und Freude.
  • Frei: Es ist frei von allen Konstrukten und Konzepten.

Bewusstsein als Grundlage der Realität

Advaita Vedānta sagt, dass das Bewusstsein die Grundlage der Realität ist: Nicht die Materie erschafft das Bewusstsein, sondern das Bewusstsein erschafft die Materie.

Nicht-Dualität oder die Einheit der Natur

Auf der Ebene der Natur, des Lebens oder auch Bewusstseins ist alles Eins. Wenn wir alle veränderbaren Elemente durch Meditation oder Selbstwissen loslassen, können wir dies in unserem eigenen Bewusstsein direkt erleben.

Das Subjekt und alle wahrgenommen Objekte sind eines: Es gibt keine Trennung, bis auf die, welche wir mental als Gedankenkonstrukt erschaffen.

Selbsthinterfragung

Eine der wichtigsten Übungen des Advaita Vedānta ist die Selbsthinterfragung. Durch stete Selbsthinterfragung erkennst Du, wann Du dich mit der sich ewig-veränderten Welt (Samsara) identifizierst und wann Du dich mit dem ewigen Selbst identifizierst.

Als Selbst leben

Neben dem intellektuellen Verständnis von dir Selbst, kannst Du einen Schritt weiter gehen. Entscheide Dich wahrhaftig jeden Moment präsent in Meditation als Du Selbst zu leben.

Buchtipps

  • Vedanta - Die Wirklichkeit verstehen: Eine praktische Einführung von James Swartz
  • The Essence of Enlightenment: Vedanta, the Science of Consciousness von James Swartz
  • The Yoga of Love von James Swartz
  • The Yoga of the Three Energies von James Swartz
  • Panchadasi - Inquiry into Existence von James Swartz
  • Karma Yoga: Auf dem sonnigen Weg durch das Leben von Karin Jundt
  • Ich liebe mich selbst und mache mich glücklich: Ein Kurs in Selbstliebe von Karin Jundt
  • The Upanishads: A New Translation von Vernon Katz und Thomas Egenes